Historisches zum Tharandter Schlossteich

Der Tharandter Schlossteich ist ursprünglich ein künstlich angelegter Mühlteich. Sein Name leitet sich ab aus der über ihm liegenden Burg, die in früheren Jahren „Schloss“ genannt wurde (nicht zu verwechseln mit der heute als Schloss bezeichneten Villa mit Turm neben der Burg).

Die genaue Entstehungszeit des Teiches wird wohl nicht mehr zu bestimmen sein. Vielleicht lässt sie sich zwischen 1216 (erste Nennung eines „Tharandters“, des Boriwo de Tarant) und 1378 eingrenzen. Aus dem Jahr 1378 ist ein Zinsregister (Steuerverzeichnis) erhalten, in dem eine „Teichmol under dem Slos“ mit einer jährlichen Abgabe von 36 Groschen aufgeführt wird. Nach Errichtung der ersten Burggebäude und Ansiedlung von Menschen zur Bewirtschaftung und Sicherung dieser Befestigungsanlage gehörte eine Mühle wohl mit zu den ersten Infrastrukturmaßnahmen, zumal ein Mühlteich gleichzeitig auch als Fischgewässer diente (besonders wichtig in der Fastenzeit). Jedenfalls ist klar, dass die Initiative zu Anlegung des Teiches und Bau der Mühle nur von den Meißner Markgrafen ausgehen konnte, da es markgräflicher Grund und Boden war.

 

Eine Karte von 1799 zeigt den Schlossteich eingebunden in eine Kette von Teichen, die ihrerseits durch künstliche Mühlgräben miteinander verbunden waren. Anfang/Mitte der 1980er Jahre ließ die Stadtverwaltung den einzig noch verbliebenen Mühlgraben vom Weißeritzwehr bis zum Schlossteich von einem sichtbaren in ein unsichtbares fließendes Gewässer umwandeln – er wurde verrohrt. Manchen Grundstücksbesitzer wird es damals gefreut haben ob der zugewonnenen nutzbaren Grundstücksfläche, manch‘ ökologisch geprägten Bürger dagegen geärgert. In der gleichen Zeit wurde der Teich mit großer Technik entschlammt und das Umfeld neugestaltet – so wurde z. B. der Ablaufbereich komplett verändert. Für die damaligen Verhältnisse ein nicht zu unterschätzender Kraftakt, mit lobenswertem Ziel allemal. Nur – das Ergebnis war leider katastrophal. Es wurde dabei die über Jahrhunderte entstandene, den Teich abdichtende Schicht mit weggeräumt. Ergebnis: Beim Wiedereinlassen des Wassers hatten alle Anlieger etwas davon – nämlich selbiges in ihren Kellern ... Daraufhin diente der Grund des Schlossteichs jahrelang als Schaf- und Eselweide eines Anliegers. 1991 schließlich wurden die Rohre des Mühlgrabens im öffentlichen Bereich wieder entfernt, der Teich erhielt gegen Inkontinenz eine abdichtende Schicht und konnte somit sein Wasser wieder halten. Auch ein finanzieller Kraftakt. Dem Wehr in der Wilden Weißeritz, das den Teich mit Wasser versorgte, schlug beim Hochwasser 2002 die letzte Stunde. Interimsweise stellte die FFW Tharandt mittels Schläuchen und Pumpaggregat den Wasserzufluss sicher. Als Ersatz dient seit Mitte 2005 eine neu gebaute Pumpleitung.

 

Allmählich wandelte sich die Nutzung des Schlossteiches. Trieb er erst Mahlgänge und Säge an, so waren das in den letzten Betriebsjahren der Mühle Kraftübertragungen für Maschinen und ein Elektrogenerator. Tharandt war die erste Stadt Sachsens, die (noch in bescheidenem Umfang) eine elektrische Straßenbeleuchtung vorweisen konnte (sie ging am 1. Juli 1893 in Betrieb). Im Winter wurde Eis für die aufkommenden Eisschränke gewonnen. Die zugefrorene Wasserfläche diente auch schon vor über 100 Jahren zum Schlittschuhlaufen. Damals veranstalteten Tharandter Vereine mit dem Badbesitzer Donner „Konzerte auf dem Eis ... denen sich abends ‚Petersburger Nächte‘ mit großer Lampionbeleuchtung anschlossen“. Im 19. Jahrhundert entstand der Gondelbetrieb, der sich bis in die Neuzeit hielt, dann nur zu besonderen Anlässen. Wer erinnert sich nicht an die kartenverkaufende und -abreißende stadtbekannte Frau Seidel an den Booten … In den 1990er Jahren gab es eine Fontäne mitten im Teich. Diese war nicht in erster Linie des schönen Anblicks wegen angeschafft worden – sie sollte das Wasser mit Sauerstoff anreichern, musste aber jedes Mal vor dem Winter ausgebaut und dazu das Wasser abgelassen werden. Zu gleicher Zeit entstanden im ehemaligen Ablaufbereich ein Grillplatz mit zwei festen Grillstellen und das Schachbrett. Leider nutzten diese Gelegenheit mehrheitlich Ortsfremde und die Anwohner fanden das nicht so toll, womit das Urteil gesprochen war. Zu unterschiedlichen Zeiten war auch Fischbesatz im Teich.

 

April 2014, Falk Schlegel

Literaturquellen:
Leßke, Friedrich August - Beiträge zur Geschichte und Beschreibung des Plauenschen Grundes bei Dresden und seiner anliegenden Ortschaften. 3 Bände. Dresden, Leipzig und Niedergorbitz 1892 und 1903

Heinitz, Wolfgang - Tharandt - Auf Wegen durch Vergangenheit und Gegenwart. Tharandter Marginalien 2. Burgen- und Geschichtsverein Tharandt e.V., 1996

Abbildungsnachweis:
(1) Ausschnitt aus: Grundriß der Stadt Tharand mit der umliegenden Gegend. Aufgenommen und radirt vom Artillerie Sergeant Kühlemann in Meissen im Jahr 1799. Kolorierter Stich, Museumsdepot Tharandt

(2) Unbekannter Künstler. Das Badehaus und der Schlossteich zu Tharandt. Kolorierter Stich, um 1820, Sammlung Schlegel

(3) Arrigoni/C.Rordorf. Ansicht von Tharandt vom Teich aus auf die Ruine. Aquatintaradierung, um 1827, Museumsdepot Tharandt

(4) Postkarte, Schloßteich Tharandt im Winter, um 1920, Sammlung Schlegel

(5) Postkarte, Tharandt Schloßteich Gondelbetrieb, um 1910, Sammlung Schlegel

Der Schlossteich Tharandt ist ein Pachtgewässer vom Unternehmen „Forellenzucht Tharandt“ Peter Voss und wird gemeinsam mit dem Tharandter Fischereiverein e.V. bewirtschaftet.


Lage Schlossteich Tharandt: